Wer hat die Kokosnuss geklaut?

Mit dem Pickipicki machte ich mich mittags von Kigoma aus auf den Weg nach Kibirizi, einem kleinen Fischerdörfchen keine zwei Kilometer von Kigoma entfernt. Dort starten und enden die Touren der Wassertaxis. Da ich davon ausging, dass die Wassertaxis mehrmals pro Tag fahren kam ich kurz nach zwölf Uhr an. Doch musste ich dann leider hören dass nur zweimal pro Tag (außer an Sonntagen, da fährt gar kein Boot), und dies kurz hintereinander, Boote unterwegs sind. Doch ich bekam den Tipp in das Nahe gelegenen Kalalangabo zu fahren und versuchen dort eins der erst vor kurzem losgefahrenen Wassertaxis zu bekommen. Wieder mit Pickipicki ging es in eine kleine Bucht gut vier Kilometer von Kibirizi entfernt. Dort wartete weit draußen wirklich noch ein Wassertaxi und es erklärten sich einheimische bereit mich in einem Kanu hinauszubringen. Vorne ein Kanute, hinten ein Kanute und der Weiße mitten drin erreichte ich unter großem Gelächter der warteten Passagiere das vollgeladene Boot.
Bei glühender Sonne starteten wir also auf diesem Boot, geschätzten hundert Passagieren und nicht gerade wenig Gepäck in Richtung Gombe Nationalpark. Nach gut einer Stunde wandelte sich das Wetter in wolkenbehangenen Himmel und kurz vor meiner Ankunft im Nationalpark fing es natürlich auch noch an zu Regnen. In diesen drei Stunden Fahrt machten wir so gut wie jedes Wetter einmal durch.
Vor mir Standen gut eineinhalb Tage im kleinsten Nationalpark Tansanias. Dafür mit reichlich Schimpansen, Pavianen und vielfältigem Krabbel- und Flugtieren. Seit gut vierzig Jahren studiert Jane Goodall mit anderen Forschern das Verhalten der Schimpansen. Dadurch haben sie sich an Menschen gewöhnt und man kann sie aus der Nähe betrachten, natürlich nicht Anfassen.
Am nächsten Morgen ging es los. Um halb neun trafen sich zwei Amerikanerinnen, unser Ranger und ich zu unserer kleinen Safari. Über Stock und Stein, unter Lianen und Baumstämmen hindurch erklommen wir den Berg um die größte Familie zu erreichen. Es leben gut 120 Schimpansen in drei Völkern im Nationalpark. Pro Volk natürlich mehrere Familien. Da es in der Nacht wie nun stets in der Regenzeit regnet, ist den Schimpansen der Boden zu feucht und sie Ruhen sich in ihren Nestern auf den Bäumen aus. Doch kann man sie ohne Probleme betrachten und natürlich auch Fotografieren – Blitzen jedoch strengstens verboten.
Nachdem wir eine Weile die Schimpansen beobachtet hatten, ging es weiter in den Park hinein. Ein Wasserfall, der so gut wie zentral liegt, war unser nächstes Ziel. Über fünfundzwanzig Meter fällt hier ganzjährig das Wasser herunter. Allgemein ist der Nationalpark dauergrün, egal ob Dürre- oder Regenzeit.
Die letzte Station war der Janes-Peak. Ein kleiner aussichtpunkt über den Gesamten, nur 52km2 umfassenden, Regenwald. Bei mehrtägigen Aufenthalten kann man auch noch höher und tiefer in den Wald eindringen. Unser Abstieg führte uns wieder direkt an den Strand und zu unserem Ausgangspunkt.
Abends kamen dann sogar die Schimpansen direkt in das kleine Forscherdorf und lausten sich völlig unbeeindruckt gegenseitig. Nachts wie auch tagsüber konnte man sie immer mal wieder kommunizieren hören - laute Kreischer dienen dabei als Übermittler.

geschrieben am Samstag, den 10. Dezember 2011 um 23:30 Uhr von Tobias Ruby