Was sich im Nah- wie Fernverkehr so tut
Im Straßengetümmel, der zu aller Schwierigkeit auch noch auf der linken Seite sich voranschiebt, verkehren verschiedenste Transportmittel. Angefangen beim normalen Fußgänger über motorisierte Zwei- und Dreiräder bis hin zu großen Überlandbussen.
Der Fußgänger steht dabei leider am Ende der Hackordnung. Sollte nun also ein Picki oder anderes Gefährt sich einer Pfütze bzw. einem Engpass nähern kann man nur noch flüchten um sich zu schützen. Der Zebrastreifen in Songwe mutet daher als Witz an.
Als nächstes kommen die Fahrräder. Meist importiert wie alles andere aus China, beherrschen sie den Off-Road-Teil Tansanias. Um Tshako (Holzkohle), Mtu (Menschen) oder sonstige Sachen wie Unga (Mehl) zu transportieren ist der Gepäckträger Ideal. Ein platter Reifen ist dabei keine Kuriosität sondern kann bei jedem Fundi im noch so kleinen Dorf repariert werden.
Sollte der Weg einmal beschwerlicher, das Transportgut oder die Mama (alte Frau) bzw. der Mzee (alter Man) zu schwer sein wird auf ein Picki (manchmal auch Pickipicki) umgestiegen. Diese kleinen Motorräder (125ccm bis 150ccm) sind mein bevorzugtes Verkehrsmittel. Für 1000 TSh (ca. 50ct) holen sie mich direkt vor der Haustüre ab und bringen mich bis zum Office in der Schule. Man sammelt sich natürlich mehrere Nummern um im Notfall stets einen Fahrer parat zu haben.
Mishikaki ist sozusagen das verbesserte Picki. Hier sitzen nicht nur der Fahrer und der Passagier darauf, hier sitzen gleich zwei Passagiere. Allerdings geht dies nicht auf öffentlichen Straßen da die Polizei etwas dagegen hat. Auch die Pickifahrer untereinander nehmen sich natürlich so die Arbeit weg. Mishikaki steht eigentlich für Fleischspieß und wurde Zweckentfremdet. Kommt es hart auf hart, können auch drei Personen plus Fahrer unterwegs sein.
Bei zwei, drei oder gar vier zu befördernden Personen kommt dann das Badjaji ins Spiel. Bekannt aus Asien und wieder importiert aus China, befördern die motorisierten Dreiräder Personen in meist größeren Städten wie Mbeya, Dodoma, Arusha oder auch Dar Es Salaam. Allerdings beschränken sich die zu fahrenden Strecken auf Stadt interne.
Sollte es einmal raus aus Mbeya bis nach Songwe oder Mbalizi gehen, stehen Taxis zur Verfügung. Meist natürlich teurer als die anderen Verkehrsmittel. In ein Taxi passen dafür jedoch auch wieder unbegrenzt Personen. Zwar haben wir bis jetzt den Kofferraum noch dankend abgelehnt doch wird auch diese Zeit noch kommen. Im Innenraum finden an guten Tagen durchaus neun Personen Platz
Dies grenzt dann allerdings schon an den tansanischen Nahverkehr. Dazu werden ehemalige Schulbusse bzw. Kleinbusse importiert. Sie stellen mit 70 Prozent den Großteil des Nahverkehrs. Solch ein Bus hat Sitzplätze für ungefähr fünfzehn Personen. Dazu kommen bei wenig Verkehr noch einmal fünf Stehplätze. Nachts, wenn es dunkel wird und alle nach Hause wollen, stehen auch gut und gerne weitere fünfzehn Fahrgäste im Bus. Zur Not setzten sich auch welche in den Kofferraum. Man nennt sie Dalla bzw. Dalladalla da dies früher umgangssprachlich für 5 TSh stand. Heute zahlt man, meist unabhängig der Strecke, 300 TSh. Schüler zählen die Hälfte. Spannend wird es immer wenn das Dalla am End bzw. Startpunkt losfährt. So kann es durchaus passieren, egal ob richtig voll oder halb leer, dass das Dalla erst einmal Tanken geht. Selten ist der Tank dabei außen zu erreichen. Das heiß, mindestens fünf oder sieben Passagiere müssen aussteigen, die Bank hochklappen und auffüllen. Manchmal wird auch einfach nur ein kleiner Kanister ausgetauscht und die Benzinleitung durch die Öffnung des Kanisters oben hinein gehängt. Und weiter geht die Fahrt!
Für weitere Strecken kommen sogenannte Coaster zum Einsatz. Diese Busse fassen je nach Größe um die 25 oder 30 Personen. In Stoßzeiten können sich auch gut 50 Personen darin befinden. Coaster fahren dann Strecken wie Mbeya – Songwe – Tunduma. Vor Songwe wird auch nur unter Protest auf dem Weg nach Tunduma jemand hinausgelassen. Auch Mbeya – Iringa ist möglich. Der Coaster an sich kostet jedoch Streckenabhängig. Die Fahrzeit verkürzt sich allerdings auch von Mbeya aus auf manchmal nur 30 Minuten statt einer ganzen Stunde.
Noch weitere Strecken, z.B. Dar Es Salaam – Mbeya/Tunduma, werden dann von Überlandbussen gefahren. Die Busse sind ähnlich den europäischen Reisebussen, solang man eine der besseren Buslinien wie Sumry oder auch Green Star erwischt. Die Busse sind, gerade bei Sumry, sehr spektakulär designend. Doch am wichtigsten ist hier der Zustand der Fahrzeuge. Besonders die Straße und die Fahrweiße der Fahrer macht den Bussen zu schaffen. In Tansania existieren zwei gute Highways. Der erste geteerte führt von Dar Es Salaam über Morogoro, Iringa, Makambako, Mbeya nach Tunduma. Zurzeit wird eine Verlängerung nach Sumbawanga gebaut. Die zweite Teerstraße für im Norden nach Arusha und Moshi. Ein Reisebus kann allerdings auch innen noch so manchen Reisenden überraschen. Ein normaler Bus hat Platz für links zwei Reisende und rechts zwei Reisende. Ein tansanischer lässt allerdings auch links drei Personen sitzen. Zusätzlich kann es passieren, dass der Durchgang mit Stehgästen gefüllt wird. Zuletzt muss man noch sagen, ist die Fahrweise nicht gemacht um sich auszuruhen. Der Bus, als Ranghöchstes Gefährt im Straßenverkehr kann überholen wo immer es ihm gefällt. Uneinsichtige Kurven, schlechte Straßenverhältnisse oder ein Hügel – manchmal bleibt einem echt das Herz stehen, wenn plötzlich aus dem nichts ein Reisebus beim Überholvorgang entgegenkommt.
Die wohl erlebnisreichste Reisemöglichkeit ist die TAZARA (Tanzania – Zambia – Railway Authority). Von Dar Es Salaam aus fährt zweimal die Woche ein Zug in Richtung Kapiri Mposhi in Zambia. Die Strecke bis nach Mbeya ist die hälfte und benötigt gut 24 Stunden. Es kann natürlich auch einfahc vorkommen, wie bereits erlebt, der Zug vor Mbeya hält und man gesagt bekommt der Zug wird nun für einen Tag warten und morgen erst weiterfahren. Trotzdem hat man eine geniale Aussicht aus dem Zug und kann mit etwas Glück bei der Durchfahrt des Mikumi Nationalparks auch Tiere sehen.
geschrieben am Sonntag, den 01. April 2012 um 00:30 Uhr von Tobias Ruby