der Blog für Tansania - 13 Monate Songwe | Reisebericht – im T durch Ostafrika

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Reisebericht – im T durch Ostafrika

Meine Reise für die jetzigen Schulferien begannen diesmal im Nordwesten Ostafrikas. Ruanda, ein kleines und doch weit bekanntes Land. Ruanda ist von Mbeya aus sicherlich nicht leicht zu erreichen. Der Ostweg über Sumbawanga – Mpanda – Kigoma – Kigali ist sehr beschwerlich, langandauernd und wird nicht immer befahren. Der parallele Seeweg wird nur jede zweite Woche befahren. Also hieß mein erster Stopp Dodoma, danach über Mwanza nach Kigali, bis hierher stets mit den großen Überlandbussen. Kurz vor Ruanda selbst geht es mit einem geteilten Taxi (meist gut 7 Passagiere) über Offroad und Tamac an die tansanische Grenze.

 

oha! (Kigali – Ruanda)

Die Betonung liegt übrigens auf dem letzten „i“ – Kigali. Die Sorgte oft für Verwirrung bei Gesprächspartner da die deutsche Aussprache die Betonung auf dem „a“ liegen hat.

Mit dem Ausreisestempel  Tansanias geht es dann voller Freude über den Weißen Nil, später trifft dieser zusammen mit dem Blauen Nil zusammentrifft, der eine natürliche Staatsgrenze bildet. Als deutscher Staatsbürger bin ich Visa befreit und bin daher nach knapp fünf Minuten schon im Besitz meiner Stempel.

Die Weiterfahrt organisierte sich wie von selbst. Es warten an der Grenze stets kleine Busse (wie die Coaster aus Tanzania) die bis nach Kigali fahren. Die Fahrt dauerte bis in den Abend hinein an und führte mich einmal durch das Hinterland Ruandas. Bereits hier war ein großer Unterschied zu erkennen. Tansania, das Land mit viel Steppe und nur während der Regenzeit üppig grün, und auf der andere Seite Ruanda als immergrünes Land. Dies hängt einerseits mit der Äquatornahen Lage zusammen als auch durch die Abermillionen Hügel die es stets hinauf und herunter geht. Hier verfangen sich die Wolken und bringen so beständig Wasser.

Ruanda. Nach Kenia wird Ruanda meist direkt als nächstes Land in Sachen Entwicklung und aufstrebendes Land gesehen. Doch war dies vor knapp zwei Jahrzenten noch anders! Im Land der „Millionen Hügel“ starben im gut hunderttägigen Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi geschätzte 800.000 Menschen, weitere leiden noch heute. Dabei ist allein die Bezeichnung Hutu und Tutsi eigentlich schon irreführend. Während in Tansania und anderen Ländern wirkliche Stämme mit eigener Sprache und Kultur existierten oder immer noch existieren ist die Bezeichnung Hutu als auch Tutsi, sowie die meist vernachlässigten Twa, mehr ein persönlicher Status der sich ändern kann und dies nicht nur Hypothetisch. Erst die Kolonialherren, zuerst die Deutschen danach die Belgier, Formten daraus ein starres System und missbrauchten es danach – später resultierte aus den Spannungen dieses, ja nunmehr, Kastensystems einer der größten Völkermorde. In gut 100 Tagen, starben mehr als 800.000 Menschen und unzählig viele Leiden noch an den Folgen.

Am bekanntesten ist der Film „Hotel Ruanda“ – Schauplatz des wahren Hintergrunds war „Hotel Des Mille Collines“ – über dieses millionenfachen Leidens.

Heute, nach Zahlungen Unsummen von Hilfsgeldern, hat sich Ruanda scheinbar wieder erholt und floriert wirtschaftlich. Erkennbar ist dies unteranderem an der Infrastruktur:

Auch bereits beim Grenzübertritt machte sich die Politik bemerkbar. So wurde ich und mein Gepäck kontrolliert auf Plastiktüten die ehrenwerter Weise in Ruanda verboten sind. Stattdessen erhält man diese bräunlichen Umschläge und Tüten. Meine eigene Kontrolle war zwar nur minimal doch wurden Tansanier wie auch Menschen aus Ruanda teils kräftig gefilzt.

aufmachenWas ist drin? – Kleidung, Laptop, Kamera. – Das ist alles? – Ja. – Gute Reise!zumachen.

Ein weiterer sofort auffälliger Unterschied zu Tansania ist das Pickipicki-Wesen. Zu allererst fahren alle den gleichen Roller ähnlichen (vielleicht ein wenig mehr Hubraum) Gefährt. Des Weiteren tragen alle eine Sicherheitsweste die von weitem zu erkennen ist. Auch Helmpflicht besteht und zwar nicht nur für den Fahrer sondern auch den Fahrgast.

Ein weitaus hinderlicherer Punkt ist die Sprache. Im Gegensatz zu vielen Reise- und Sprachführer wird in Ruanda kein Kiswahili gesprochen, allein jetzige oder ehemalige Studenten oder Schüler die dieses Sprache aktiv gewählt und gelernt haben sind in der Lage zu sprechen. Landessprache ist Französisch (durch die belgische Besatzung) und Kinyarwanda. In Hotels/Unterkünften wie auch in den großen Shopping Malls findet man immer mal wieder jemanden der auch Englisch spricht. Immer wieder habe ich gehört dass die Regierung anstrengt (oder bereits hat?) Englisch (wie auch Kiswahili?) in den Schulen lehren zu lassen um den Austausch mit Touristen oder auch primär den Nachbarländern in Ostafrika zu verbessern. Es wird wohl noch einige Jahre dauern bis Ruanda dann davon profitieren kann und auch wird.

Kigali ist die anstrengende Anreise sicherlich Wert gewesen. Landschaft, Historie und Entwicklung hinterlässt sicherlich nicht nur bei mir einen bleibenden Eindruck.

 

wow! (Kampala – Uganda)

Von Kigali aus ging es dann mit dem Bus weiter nach Kampala. Diese eigentlich nicht allzu lange Strecke hat nur einen Schönheitsfehler – der Teil nach der ugandischen Grenze. Zurzeit wird hier gerade noch gebaut so dass es oft links und rechts entlang der eigentlich bereits fertigen aber noch nicht freigegebenen Teerstraße über Stock und Stein entlang geht.

Uganda selbst kommt wieder weg von der Hügeligen Landschaft Ruandas und wird weniger bewaldet aber umso mehr große grüne Weideflächen wie Felder der Landwirtschaft. Interessanter weise werden die Felder stets umgrenzt von kleinem Gebüsch. Ich kann mir vorstellen dass dies dient um frei weidendem Vieh den Zugang zu Feldern auf denen Kartoffeln, Zuckerrohr, Tomaten oder ähnliches angebaut sind zu verwehren.

In Uganda sprechen wohl alle Englisch sowie ihre Landessprache Luanda. Das Stadtzentrum ist relativ groß wobei dies auch daher kommt dass man nicht wirklich definieren kann wo es denn nun anfängt oder aufhört. Anfangs fühlte ich mich an Dar Es Salaam erinnert doch ist es bei leibe nicht so warm und schwül. Voll sind die Straßen trotzdem und Chaos herrscht auch ein wenig. Doch die Verkehrspolizisten regeln alles mit großer Souveränität. So kann es passieren – ich habe mir das Spektakel von einem Restaurant länger angeschaut – dass einige Minuten der Verkehr in eine Richtung vollkommen still steht. Es Sammeln sich sekündlich neue Pickipickis in erster Reihe bis es eigentlich nichtmehr geht. Dann, wenn der Polizist frei gibt, kommen von Links wie auch von rechts jeweils gut 50 Pickis auf einmal so dass die Kreuzung eher einem Ameisenhaufen glich.

Besonders spannend wurde es samstags abends. Bereits freitags liefen Leute mit Vuvuzelas blasend durch die Straßen und verkauften Nationaltrikots. Bis dahin dachte ich noch alles schön und gut, jeder kann verkaufen was er will. Doch zielte dies auf ein AFCON (Africa Cup of Nation) Qualifikati0onsspiel zwischen Congo-Brazzaville (also nicht DRC) und Uganda in Kampala. Ich besorgte mir also auch schnell noch ein Ticket und ein Shirt und machte mich für das um 16 Uhr beginnende Spiel auf den Weg. Das Nelson Mandela Nationalstadion liegt etwas außerhalb so dass ich mir ein Pickipicki besorgte. Gut zwanzig Minuten dauerte die Fahrt und ich war nicht alleine! Dauern überholten wir oder wurden überholt von anderen Fans die Laut Uganda ihre Unterstützung zeigten. Auch Polizisten ließen sich im Vorbeifahren abklatschen – alles Freute sich. Kaum war ich abgestiegen und hatte meinen Fahrer bezahlt wurde ich links und rechts von zwei Straßenkünstlern umringt die mir ungefragt die Ugandafarben ins Gesicht malten! Dann konnte ja nichts mehr fehlen! Das Stadion selbst hatte wohl die besten Jahre auch schon hinter sich doch ging es vollkommen gefahrlos und ohne wirkliches Gedrängel (im Gegensatz zum Simba vs. Yanga Spiel in Dar) ins Stadion.

 Kampala - nein ganz Uganda - steht Kopf! Ausnahmezustand!  Uganda vs. Congo LIVE im Nationalstadion...
 und soeben ist Uganda per Kopfballtor in Führung  gegangen... 1:0 für den Gastgeber nun.
 oh oh Congo! Elfmetertor für Uganda... 2:0!
 uuuuuuuuund das 3:0 - allerdings unter gut fünfminütigen  Protest der Congolesen: 'Das Tor sei kaputt'
 da kommt der Fundi (Mechaniker) ja schon mit der Leiter  angerannt
 zum guten Ende noch das 4:0... wer bis jetzt noch nicht  alles gegeben hat: RAUF AUFS FELD!
 jetzt hatten alle ihren Spaß und bitte wieder runter! -  Nicht? - Wasser marsch, Wassersprenger an! 

Was sich schon während und vor dem Spiel gezeigt hatte sind die Menschen unheimlich freundlich. Man bekommt das Gefühl willkommen zu sein und nicht nur reicher Weißer zu sein. Immer wieder (und auch später in Kenia) freuten sich Menschen wenn sich mich mit dem Uganda-Shirt sahen und fragten eher rhetorisch „Unterstütz du Uganda?“ oder gleich mit dem Danke kommend „Danke dass du uns unterstützt!“.

Ein weiterer Überraschungsfaktor war der Aufbau der Innenstadt. Zu Beginn betrat ich nur die Shops direkt an der Straße da ich dachte hintendran kommt nichts mehr. Doch weit gefehlt. Die Innenstadt selbst besteht aus einem einzigen Nest von Einkaufszentren. Verlässt man das ein, steht man bereits vor dem Eingang des nächsten. Die Einkaufszentren sind über mehrere Stockwerke und ganze Karees verteilt.

Das erste und einzige Mal auf meiner Reise hatte ich Probleme mit den SIM-Karten für mein Handy. Normalerweise kann man diese sich überall kaufen, eine Nummer anrufen und mit seinem Namen und dem Geburtsdatum die Karte erstmalig entsperren und sogleich loslegen. Längerfristige Nutzung erfordert stets eine detaillierte Registrierung durch einen Ausweis oder Reisepass. Nur in Uganda wollte die SIM-Karte einfach nicht gehen.

Zu guter Letzt ist mir noch das Nahverkehrssystem ins Auge gesprungen. Hier fahren wie in Deutschland Buslinien herum die offiziell Steh- wie Sitzplätze anbieten, einen Fahrer und Schaffner (Conda) mit Schlips und Kragen fahren auch immer mit. Ist das offizielle Limit an Passagieren erreicht kommt auch keiner mehr hinein. Um daher kein Gedrängel an der Tür zu haben stellen sich die Menschen in einer langen Schlange auf wie man es aus England immer wieder hört. Es jagt einem Richtig einen Schreck ein wenn man um die Ecke läuft und in all diesem Chaos Menschen brav und ordentlich, ja fast schon penibel, in einer Schlange stehen und auf den Bus warten.

 

naja! (Mombasa – Kenia)

Mombasa – laut Wikipedia, Lonely Planet und anderen Quellen zur Reiseplanung eine wunderschöne Stadt. Touristisch halbwegs erschlossen, usw. Nichts dergleichen!

Mein erster und bleibender Eindruck war Müll. In Tansania und auf meinen bisherigen Reisen ist mir dies noch nie so heftig ins Auge gesprungen und in die Nase gestiegen. Links und rechts der Straßen, Gehwege und Mülleimer – überall Müll. Hie und da sieht man allerdings auch ein paar Menschen den Müll zu beseitigen, doch insgesamt zu wenige offizielle die sich darum kümmern.

Doch das erste Mal auf meiner Reise erlebte ich auch etwas Tourismus. In der Altstadt Mombasas gibt es Shops für Souvenir und ähnliches. Am Fort-Jesus, gebaut von den Portugiesen für die Seefahrt und später von den Arabern zum Sklavenhandel umfunktioniert, laufen selbsternannte Guides umher und bieten Führungen durch das Gelände.

Auch sonst hat die Stadt ein paar interessante Gebäude und liegt auch direkt am Meer was zum Verweilen entlang der steilen Küste ruft.

Insgesamt jedoch ist Mombasa laut, verstopft, dreckig und teuer. Der Umrechnungskurs ist nahe 1:10 und für 500KSH (5EUR) bekommt man gerade noch sein Mittagessen.

Überraschend billig und wie sich später heraus stellte nur für Touristen in betrieb gehalten ist die Eisenbahnverbindung zwischen Mombasa und Nairobi. Für gute 40EUR geht der Zug abends in Mombasa los, durchfährt das hafengebiet und weniger reiche Gegenden. Auf der ganzen fahrt sind maximal 100 einheimische mit im Zug gewesen. Wohl auch daran liegend dass Busse schneller und zuverlässiger auf der Strecke sind. So bezog ich also für mich allein ein Abteil. In der TAZARA (Dar Es Salaam – Mbeya – Zambia) niemals möglich und der Zug ist schon vor der Abfahrt überfüllt. Die Strecke geht über das Kenianische Hinterland und zeigt einem so eindrucksvolle Seiten bis man morgens in Nairobi entspannt ankommt.

 

nein! (Nairobi – Kenia)

In Nairobi morgens angekommen war mir gleich klar. Hier bleibe ich nicht länger! Erstens ging dies zeitlich sowieso nicht und zweitens war es eine Stufe schlimmer als Mombasa. Zwar ist der Müll nun drastisch reduziert, doch nehmen nun Autos und Menschen diesen Platz ein. Ich würde sogar so weit gehen: Dar Es Salaam ist besser als Nairobi. Und Da war und ist für mich kein schöner Platz!

Mit dem Bus ging es dann nach nur gut 18 Stunden schon wieder weiter nach Tanzania. Zurück nach Hause…

geschrieben am Freitag, den 27. Juli 2012 um 02:00 Uhr von Tobias Ruby