Mit dem “Dampfauto” durch die Landschaften…
Kigoma – der wahrscheinlich westlichste Punkt Tansanias ist nur schwer zu erreichen. Von Süden aus entweder per Land (zwei Tage von Sumbawanga) oder per Schiff (zwei Tage und nur jede zweite Woche möglich). Von Norden über teils sehr schlechte Straßen bis nach Mwanza (je nach Straßenlage mehrere Tage). Oder zu guter Letzt in Richtung Osten mit der Central Line.
Erbaut von den deutschen Kolonialherren um Güter und Militär zu bewegen, führt von Dar Es Salaam aus über gut 1250 Kilometer eine direkte Eisenbahnverbindung nach Kigoma. Über Tabora und Dodoma gelangt man so, zumindest bei idealen Verhältnissen, innerhalb von zwei Tagen nach Kigoma oder eben auch in die andere Richtung.
Nahezu der gesamte Weg ist eingleisig, so dass nur an größeren Bahnhöfen die Züge sich gegenseitig passieren können. Daraus folgt unter anderem dass die Züge nicht stündlich geschweige denn täglich fahren. Zwei Mal die Woche verlässt ein Zug Kigoma. Gemäß offizieller Verlautbarung eigentlich sonntags und donnerstags, jeweils um 17 Uhr.
Zweite Klasse wurde schon seit längerem abgeschafft. Erste Klasse fährt meinen Beobachtungen zufolge nur am „Donnerstags“-Zug zumindest mit zwei Abteilen mit. Der Rest der gut 17 Waggons besteht aus dritter Klasse (ein Sitzplatz inklusive unausgesprochener Aufforderung diesen zu verteidigen) und einer inoffiziellen vierten Klasse, was bedeutet man stellt sich zwischen die sitzenden Passagiere im Abteil.
Bereits in Kigoma hatte mein Zug gute 15 Stunden Verspätung so dass ich erst am Folgetag Montagsmorgens auf Reise fahren konnte. An grünen Landschaften vorbei machte sich der Zug erst einmal in Richtung Tabora auf den Weg. Erwartete Ankunft war gegen Abend. Nach gut 14 Stunden erreichte ich dann Schlussendlich unser Ziel. Zwischendurch hat es natürlich mal wieder geregnet und es wurde versucht die Fenster zu schließen was allerdings nur soweit ging, dass doch noch stets kleine Wasserwellen die Passagiere am Fenster erreichten.
Nach mehreren Tagen Erkundung Taboras und Umgebung kaufte ich mir wieder ein dritte Klasse Ticket nach Dodoma, der nächste große Stopp auf dem Weg an die Ostküste. Beim Ticketverkauf bekam ich gesagt ich solle doch donnerstags morgens um halb neun zur Stelle sein. Nun, als deutscher der ich nun mal bin, war ich pünktlich vor Ort und musste mir erst mal sagen lassen dass der Zug eine kleine Verspätung hat. Er käme abends gegen 22 Uhr, Abfahrt sei dann 23 Uhr. Nun gut, dann habe ich mir einen Platz gesucht in der Stadt und den Sodavorrat nahezu leer getrunken. Abends wagte ich einen neuen versucht und wurde wieder vertröstet. Auf dem inzwischen aufgehängten schwarzen Brett stand nun eine Uhrzeit von 1 Uhr nachts. Also weitere Stunden warten. Dies allerdings mit einigen netten Menschen die mir meine allerletzten Kisuaheli Kenntnisse auslocken wollten. Weder um eins, noch um zwei war vom Zug etwas zu sehen. Um 5 Uhr morgens, der Himmel hellte sich so langsam schon auf, dann endlich das Signal der Lok. Ein durchdringendes Signal hat auch den letzten warteten aufgeweckt und in freudige Erwartung versetzt. Um 6 Uhr ging es dann endlich wirklich los.
Doch bereits nach gut 3 Stunden ein unerwarteter stopp. Mitten in der „Prärie“. Anscheinend hatte die Lok einen Defekt und müsste repariert werden. Doch nach drei weiteren Stunden und einem kurzen zurücksetzen des Zuges um gut 500 Meter ging die Fahrt weiter, ob nun Defekt oder nicht.
Ich erreichten Dodoma also auch wieder bei Nacht und konnte mit anderen freiwilligen aus Arusha, kennengelernt auf der Fahrt, zusammen in ein Guesthouse einziehen.
Meine letzte auf den Weg in Richtung Ostküste vertraute ich dann allerdings wieder lieber einem Bus an. Nach gut 6 Stunden erreichte ich Dar Es Salaam, der Zug hätte nach Abfahrt (die wieder in den Sternen läge) gute dreizehn weiter Stunden gebraucht.
geschrieben am Freitag, den 23. Dezember 2011 um 09:50 Uhr von Tobias Ruby