der Blog für Tansania - 13 Monate Songwe | Liegt Tansania mit Songwe eigentlich hinterm Mond?

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Liegt Tansania mit Songwe eigentlich hinterm Mond?

Jetzt bin ich hier doch schon eine geraume Zeit, habe über viel berichtet und doch habe ich noch nichts über meinen Aufenthaltsort geschrieben.

Fangen wir einmal ganz von vorne an, am besten gleich mit einer Enttäuschung für manchen von euch. Tansania liegt noch auf der Erde! Und zwar befinde ich mich auf der anderen Erdhalbkugel, oftmals auch einfach nur als „Unten“ bekannt und auch so bezeichnet.

Im Gegensatz zu manch einem Postmitarbeiter, kann ich euch versichern dass ich in Afrika, genauer Ostafrika, gelandet bin. Die Erfolgsquote der Post würde sich erhöhen wenn ihr ihnen bei der Adresse den Tipp mit „Tanzania, East Africa“ gebt! Ansonsten kann es passieren dass die Sendung über Tasmanien in Australien oder Thailand läuft und gegebenenfalls nichtmehr den Weg zurück findet.

Tansania selbst liegt etwas unterhalb des Äquators und in einer Zeitzone mit Nairobi wodurch wir stets eine Stunde vor Deutschland sind, im Winter nach der Umstellung in Deutschland sogar zwei.

Unser Dorf liegt direkt am TanZam-Highway (Tanzania-Zambia) und wird dadurch geteilt. Auf der einen Seite liegt Songwe Estate, hier wohnen die etwas wohlhabenden Tansanier. Darunter fallen zum Großteil die Lehrer der Pandahill und ehemalige Mitarbeiter der nahegelegenen Zementfabrik Mbeya-Cement. Auf der anderen Seite liegt das eigentliche Dorf, viele Lehmhütten und etwas hinter dem Dorf unsere Schule. Songwe ist knapp eine Stunde von Mbeya entfernt und wird daher nichtmehr über Dallas angefahren. Jedoch kann man mit einem Umstieg in Mbalizi (genau in der Mitte) die Strecke auch so bewältigen. Wir bevorzugen allerdings die Coaster die aus Tunduma kommen was uns eine Zeitersparnis von gut eine halben Stunde oder teilweise auch mehr bringt, außerdem sind sie etwas bequemer als die kleine Dallas.

Unser Haus besteht aus einem großen Wohnzimmer, einer kleinen Küche mit durchreiche, einer Abstellkammer, einem Bad, zwei Schlafzimmern und einem Gästezimmer. Normalerweise lebt in so einer Wohnung eine ganze tansanische Familie. Wir allerdings nur zu zweit. Im Hinterhof hängt für gewöhnlich unsere Wäsche zum trockenen. Immer scharf beobachtet von unseren zwei Hunden, eigentlich einer Katze und je nach Glücksfall ein oder mehreren Hühner (die sind eine Story für sich!).
Wie üblich wird in Tanzania mit Gas bzw. mit Holzkohle gegrillt, da uns allerdings die Schule das Gas zahlt nutzen wir doch gerne diese Möglichkeit.

Unser Bad hingegen ist ein Mix aus europäischem Luxus und tansanischer Bodenständigkeit. Während normalerweise überall die Hock Klos zu finden sind, sind wir im Besitz einer „luxuriösen“ europäischen Toilettenschüssel. Dafür machen wir Abstriche bei der Dusche. Ein einfaches Rohr, ohne Sprühkopf oder dergleichen, ragt aus der Wand und liefert uns kaltes Wasser welches später unkontrolliert im Bad umher fließt. Interessanter Weise ist allerdings nach gut zwei Stunden der Boden wir super trocken und der stets verstopfte Abfluss hat doch noch seinen Dienst getan.

In unserem gemütlichen Wohnzimmer schauen wir stets Filme oder Serien während wir am etwas niedrigen Tisch zu Abend essen. Der Kühlschrank an der Wand hält uns die wichtigsten Nahrungsmittel wie Wurst oder Milch stets frisch. Direkt daneben der unverzichtbare Soda-Kasten (Cola, Fanta, Sprite, …) sowie der Bierkasten fürs spezielle Anlässe (Kilimanjaro, Safari, Ndovu, Tusker, …) und unser Vorrat an Trinkwasser aus Plastikflaschen.

Unsere Zimmer sind flächenmäßig relativ klein, vielleicht 250cm auf 300cm. Doch finden sich ein großes zwei Meter Bett, ein Schreibtisch (welcher von mir eher als Ablage genutzt wird) und ein größerer Schrank darin. Das große Moskitonetzt ist seltener in Gebrauch, da in Songwe so gut wie keine Mücken unterwegs sind, und sich noch weniger in mein geschlossenes Zimmer verfliegen.

Unser Gästezimmer ist stets belegt durch unsere Klamotten welche wir eher selten ordentlich zusammen falten und entsprechend deutscher Normen in den Schrank verfrachten. Trotzdem sind Gäste natürlich stets willkommen! Aus nah und fern! Das Gästezimmer befindet sich am Ende unseres Flures, zuerst mein Zimmer und danach Michis Zimmer.

Unser Hof besteht aus einem Gehege für unsere Hühner, welche allerdings stets durch unsere Hunde dezimiert werden, wir arbeiten an einer Lösung! Die Hunde, welche noch von unseren Vorgängern sind, gehören sozusagen zum Inventar und werden abends immer raus gelassen. Manchmal gehen wir auch mit ihnen spazieren und lassen sie tagsüber außerhalb von Songwe frei laufen. Hinter der grauen Wand befindet sich unser eigener Müllverbrennungsplatz. Nicht wie in Deutschland, wo jeder Müll gesammelt und getrennt in die Tonne entsorgt wird, kommt hier einfach alles auf einen Haufen. Gepaart mit Spiritus und einem Streichholz kann man sich auch abends noch einmal schön erwärmen!

geschrieben am Samstag, den 22. Oktober 2011 um 20:00 Uhr von Tobias Ruby