der Blog für Tansania - 13 Monate Songwe | Im Auftrag der tansanischen Regierung

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Im Auftrag der tansanischen Regierung

In Deutschland wurde ich vorgewarnt, dass der tansanische Lehrplan manchmal an der Wirklichkeit vorbei geht und Dinge gelehrt werden müssen deren Nutzen zumindest in Frage gestellt werden können. Bis jetzt hat es sich noch nicht bewahrheitet, aber ich bin freudig gespannt wann es soweit ist!

Ich bin im Besitzt des Lehrplanes für Form I bis Form IV. Das ist deswegen erwähnenswert, weil zum Beispiel Michi ohne Lehrplan unterrichten muss. Auf 66 Seiten wird der komplette Lehrinhalt für vier Jahre wiedergegeben. Laut Titelblatt ist meine Ausgabe auf dem Stand von 2005 und somit vor knapp sechs Jahren das letzte Mal aktualisiert worden – vorausgesetzt wir sind im Besitz der neuesten Fassung. Jede Form wird mit einer kurzen Zusammenfassung begonnen was der Schüler danach können soll. Das sieht für Form III dann zum Beispiel so aus:

Soweit so gut. Der Lehrplan selbst ist dann eine Tabelle mit den unterschiedlichsten Themen. So werden in Form III drei größere Themen mit insgesamt dreizehn Unterthemen behandelt. Der Lehrplan beschreibt dies so:

Auch wenn diese Grafiken alle schön ordentlich aussehen, dann nur für euch. Ich selbst besitze nur eine Kopie der Kopie was uns schon mutmaßen lässt das nicht einmal ein Original im Ministerium für Bildung und Kultur, geschweige denn in der Schule existiert.

Zurzeit arbeite ich am letzten Thema dieses Schuljahres: Datenbanken. Da mir der Lehrplan leider Microsoft Access vorschreibt, musste ich mich erst einmal selbst einarbeiten. Themen sind dann zum Beispiel Daten strukturieren, Datentypen, Datenbanken entwerfen oder auch Datenbanktypen.

Wegen Stromausfällen war es am Anfang nicht immer möglich auf die Computer zu setzten und mein geplanter Unterricht musste über den haufengeworfen werden um ihn an der Tafel präsentieren zu können. Als der Strom dann immer öfters und auch zuverlässiger gekommen ist brennen die Schüler natürlich darauf den Computer nutzen zu dürfen. Dies führt zwangsläufig zu Konflikten da meine Aufgaben nicht nur am Rechner stattfinden. Ein Datenbankentwurf lässt sich nun mal immer noch am besten von Hand auf Papier zeichnen.

Auch die Tafel habe ich zu schätzen gelernt. Sowohl ich als Lehrer als auch die Schüler können an ihr ihre Ideen zeigen und man kann darüber diskutieren.

Bisher läuft der Unterricht noch sehr Frontal ab, was den Schülern glaube ich aber auch liegt da sie nichts anderes gewöhnt sind. Seit dieser Woche probiere ich eine Gruppenarbeit, wobei dies anscheinend völlig neu ist und mehr kopiert, geklaut und abgeschrieben wird als man sich vorstellen kann. Es fehlt ihnen noch etwas am Ideenreichtum oder auch Kreativität - würde ich behaupten. Es wird nur stur nach Regeln gearbeitet. Es fehlt der in Deutschland so oft genannte und geforderte „Blick über den Tellerrand“.

Jetzt sitze ich zurzeit erst einmal an den Annual Exams, erstellen und selbst lösen. Punkte ungefähr so verteilen dass es fair ist und dann hoffen dass am 23. November bei Multiple-Choice nicht irgendetwas falsch gemacht wird!

geschrieben am Donnerstag, den 10. Nevember 2011 um 21:00 Uhr von Tobias Ruby