Hochzeit
Am 29. April war ich auf meiner ersten Hochzeit hier in Tansania – und zwar als Zuschauer und nicht wie gewöhnlich als Ministrant.
Michi, Lukas, Marius und ich sowie Iman, einer unser tansanischer Freunde und Bruder des Bräutigams, machten uns also sonntags morgens um auf 12 Uhr auf den Weg – so war zumindest der Plan. Losgekommen sind wir allerdings doch erst gegen zwei Uhr da noch Schuhe geputzt, Gürtel gekauft, … wurde. Geschniegelt und gebügelt tranken wir also erst einmal gemütlich eine Soda.
Mit dem Dalla ging es dann Richtung Kirche, nicht jedoch um kurz vor Ende der Stecke in ein Auto mit dem gleichen Ziel umzusteigen. Da wir nun jedoch auf den Fahrer warten mussten verschob sich unsere Ankunft noch einmal etwas weiter.
Als der Fahrer dann eintraf, war er recht überrascht von unserem Aussehen - jeder mit Anzug und Krawatte. In Tanzania ist das anscheinend ein bisschen anders, denn so trugen die meisten Männer in der Kirche auch einfach nur ein Hemd oder Poloshirt. Anzugträger waren nur rar gesät. Dafür hatte sich – wie es sich gehört – das Brautpaar in Schale geworfen. Sie eine typische tansanische Mama in einem silber-blauen Kleid, welches man in Deutschland wohl nicht anziehen würde, und der Bräutigam in einem silbernen Anzug.
Durch unsere Verspätung kamen wir gerade rechtzeitig um das Gelöbnis mitzubekommen und die Unterschriften. Danach ging es schon wieder los durch die Stadt im Korso!
Ein Korso folgt in Tansania gewissen Regeln! Straßenverkehrsordnung? Falsch gedacht! Zuerst muss stets der Soundwagen mit überlauter Musik und einem tanzenden Chor darauf vorfahren. Danach das Brautpaar in der Nobelkarosse. Es folgt dann die Regel: je schlechter und menschenfüllender das Auto, desto weiter hinten muss es fahren – klar dass nicht jedes Auto mit seiner Position zufrieden ist und stets versucht zu überholen.
Einen „kurzen“ Zwischenstopp wurde dann noch im vielleicht schönsten und teuersten Hotel der Stadt eingelegt um Bilder zu machen. Michi und Marius hielten sich ein wenig zurück – während ich mich hinein wagte. Zum Leidwesen meiner selbst. Denn einmal entdeckt musste ich wie immer mich mit auf die Fotos gesellen.
Nachdem dann auch noch der Chor mit uns Fotos gemacht hatte, konnten wir dann wieder in den Bus einsteigen und es ging zum Bräutigam nach Hause.
Sein Haus war groß, mit einer Mauer umgeben, saftiges grün säumte den Wegesrand. Sein Status und einkommen war unübersehbar zur Schau gestellt.
Nach dem Essen fuhren wir dann zu einem großen Räumlichkeit: City Conferenz Center – dort kamen wir dann aus dem Staunen nichtmehr hinaus. Der riesige Saal war wunderschön dekoriert, alle Tische und Stühle wurden von weißen Tüchern überspannt und das Brautpaar saß leicht erhöht auf Herzstühlen. Die ganze Halle, die auch noch eine erhöhte Ebene auf der Rückseite hatte, war von LED-Lichtern überspannt und die Säulen waren mit Spiegeln ausgekleidet. Es erinnerte leicht an New York in einer Shopping Mall zu Weihnachten.
Den restlichen Abend genossen wir passiv. Gutes essen und trinken versorgte uns bis zum Zeitpunkt der Geschenkeübergabe. Wir haben uns nach wie vor noch nicht an die Geschenkepraxis hier gewöhnt. Wir saßen also mal wieder ohne etwas da, hätten aber auch einfach irgendetwas bringen können. Eine kleine Auswahl der anderen Gäste: eine Matratze, Geschirr, riesige Kochtöpfe, Vasen, ein Schrank mit Spiegel, …
geschrieben am Sonntag, den 13. Mai 2012 um 21:00 Uhr von Tobias Ruby