der Blog für Tansania - 13 Monate Songwe | Die Problematik der Grundversorgung

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Die Problematik der Grundversorgung

In Deutschland zählen Sachen wie Wasserversorgung, Stromversorgung oder Telekomunikation zur Grundversorgung die ein Staat mittelbar oder unmittelbar gewährleisten muss. Es wird sogar darüber nachgedacht einen Breitband-Zugang zu jedem Haus zur Grundversorgung hinzuzuzählen.

Strom

Hier in Tansania sieht das alles aber ganz anders aus. Eigentlich ist es ja ein Schlaraffenland für grüne Idealisten. Die Stromerzeugung ist zu 100% aus regenerativen Energien wie Wasserkraft und Erdwärme. Der Strom für Songwe wird zum Großteil aus einem Staudamm in der Nähe von Iringa erzeugt. Die Stromerzeugung liegt in staatlicher Hand unter der Firma Tanesco. Um die Meinung eines einzelnen Dorfbewohners zu zitieren: „fucking Tanesco“. Das Problem liegt generell nämlich darin, dass es besonders in den letzten beiden Jahren wenig geregnet hat und dadurch die Staudämme nicht genügend Wasser bereithalten. Daher wird der Strom offiziell rationiert. Es gleicht allerdings mehr der Willkür als wirklich einer geregelten Rationalisierung.

Normalerweise können sich die Dorfbewohner selbst helfen und haben daher überall Dieselgeneratoren stehen um für sich selbst Strom zu erzeugen. Dazu später mehr unter Kraftstoff.

Michi und ich leben glücklicherweise auf der „anderen Seite“. Gemeint ist der Highway der Songwe durchläuft und eine Art Grenze bildet. In Songwe Estate leben einige Lehrer und viele Angestellte der nahen Zementfabrik. Dadurch sind wir etwas begünstigt in Sachen Stromausfall. Die Zementfabrik stellt eine große Einnahmequelle für Tanesco dar und schützt uns oft vor etwaigen Stromausfällen und Rationalisierungen. In unserem Zuhause haben wir seitens Tanesco erst zwei Ausfälle zu vermelden, davon einmal eine knappe Stunde und eine weiter kurze Unterbrechung von nicht einmal einer Sekunde. Was allerdings reicht um den Film unterbrechen und den Rechner abstürzen zu lassen.

Einen Ausfall der anderen Art hatten wir vergangene Woche. In Tansania erhält man nicht am Ende vom Jahr eine Rechnung sondern man Zahl den Strom im Voraus, wie das Prepaid-System der Handys. Morgens, vor der Schule, zeigte unser Gerät noch an 17 Units an. Nach der Schule war allerdings der Kühlschrank aus und kein Licht, kein Rechner ging mehr an. Also reifen wir unseren Freund Bosco an der uns das System erklärte und meinte wir sollten nach Mbeya fahren in das örtliche Tanesco-Office. Da wir aber nicht am selben Tag noch fahren konnten hatten wir für mehr als einen Tag keinen Strom. Michi ist am nächsten Tag nach seiner Doppelstunde Unterricht also nach Mbeya gefahren und hat für 40.000TSh Strom „eingekauft“. Mit dem Beleg und einer Nummer darauf, konnten wir unseren Zähler wieder aktivieren und 191 Units darauf buchen. Der nächste Schritt wird nun sein den Beleg in der Schule einzureichen da eigentlich diese unsere Auslagen für Strom, Wasser und Gas übernimmt.

Wasser

Unser Wasser kommt direkt aus dem Klärwerk der Zementfabrik. Es ist also relativ sauber da der Weg sehr kurz ist. Auch wenn die anderen Dorfbewohner hier das Wasser trinken, kaufen wir uns lieber Wasser im Dorf.

Zum Duschen, Kochen, Waschen oder Spülen nutzen wir dann allerdings doch das normale Hahnenwasser. Ab und zu kann es aber auch hier zu Ausfällen kommen. Dann steht man morgens unter der Dusche und wundert sich warum kein Wasser kommt. Oder wenn die Spülung vom Klo nichtmehr nachfüllen will und nur noch komische Geräusche von sich gibt. Sicher ist, dass ab nachts um 24 Uhr die Wasserzufuhr abgestellt wird. Wann sie morgens wiederkommt ist dann Zufall. Sollte tagsüber einmal das Wasser fehlen kann man eigentlich sicher sein dass nach zwei bis drei Stunden das Wasser zurück ist.

Kraftsoff

Ein weiteres Problem war in den vergangenen Wochen der Kraftstoff. Genauer die Kraftstoffpreise. Sie steigen ständig, was die Regierung dazu veranlasste die Preise festzusetzen. Allerdings sind die staatlichen Preise so niedrig, dass es keine Gewinne mehr für die Tankstellenbetreiber mehr gab. Sie traten daraufhin in den Streik und verkauften an nur noch ausgewählte Kunden. Besonders in der letzten Woche spürten wir die Auswirkungen. Auf unserem Weg ins Ifisi, dem regionalen Krankenhaus, zu unserem täglichem Suaheli-Unterricht war es schwer ein nicht bereits überfülltes Dalla zu erwischen. Die Regierung konterte mit dem Entzug der Lizenz zum Kraftstoffverkauf, was bei vielen Betreibern den Streik brach und sich die Lage nun weitest gehend normalisiert hat.

Nichts desto trotz ist für die Schule das Anwerfen des Generators extrem teuer und wird daher nur für Examen bewilligt. Dadurch fallen oft die Praxisstunden aus oder müssen in Theoriestunden umgewandelt werden.

geschrieben am Samstag, den 20. August 2011 um 18:22 Uhr von Tobias Ruby