Der Gipfel Afrikas
Tag 1 – ins Unbekannte
23.06.2012 | Park Gate Machame 1840m - Machame Camp 2990m
Schon als wir zum Frühstück ging präsentierte sich von unseren Augen unsere einwöchige Zukunft. Gut fünfzehn Man packten und verluden unser Gepäck, Zelte, Schlafsäcke und dergleichen in die zwei bereitstehenden Kleinbusse. Das Frühstück – das letzte dieser Art für 7 Tage, es sollte für Uji (Porridge) weichen.
Doch begeistert vom Unbekannten ließen wir unsere Sorgen im Basis-Lager zurück und machten uns auf den Weg zum Machame Gate – Startpunkt unserer siebentägigen Kilimanjaro Besteigung.
Während Moshi knapp unter 1000m liegt ist der Eingang schon ein gutes Stück höher (1840m) und erspart jedem einen guten Tag Laufarbeit. Nach den Formalien der Touristen musste noch das Gepäck der Porter (dt. Träger, sw. Mgumo) gewogen werden. Obergrenze ist ein zusätzliches Gepäck von knapp mehr als ein Dutzend Kilos.
Der Regenwald verschluckte uns sofort und verfolgte und auch bis zu unserem ersten Camp gegen den späten Nachmittag. Anfangs, getragen von der Euphorie, musste unser Guide uns immer mal wieder ermahnen nicht zu schnell zu gehen. Ein Fehler den wohl jeder unerfahrener Bergsteiger macht. So ging es also den ersten Tag im schlender Tempo wie in der Einkaufsmeile von Kilometer zu Kilometer. Zwar überholten uns immer mal wieder Träger die nach uns gestartet sind doch blieben wir noch verschont von anderen Bergsteigergruppen. Das Klima, Regenwald typisch, war feucht und warm, so dass erst mit Beginn des Regens das Regencap oder der Poncho kurz herausgeholt werden mussten. Glücklicherweise das erste und letzte Mal auf unserem Unterfangen.
Kurz vor dem Ziel dann zog Nebel auf und unsere bis dahin sowieso noch nicht vorhandene Aussicht wurde noch grauer und reichte maximal zwanzig Meter weit. Glücklicherweise lichtete sich im ersten Camp, dem Machame Camp, später gegen Abend wieder und wir hatten eine relativ gute Aussicht. Nicht nur auf Moshi sondern auch auf ein brennendes Zelt. Bei einer anderen Reiseorganisation brannte nach unglücklicher Handhabung des Gaskochers das Zelt samt essen ab. Glücklicherweise konnte am nächsten Tag wohl alles wieder neu aus Moshi gebracht werden und es blieb nur beim Schrecken.
Tag 2 – es wird interessant…
24.06.2012 | Machame Camp 2990m - Shira Camp 3840m
Bereits im Morgengrauen, kurz nach dem Aufstehen, konnten wir den Kili in seinerer vollen gewalt betrachten. Tagsüber liefen wir stets direkt auf ihn zu und doch fragt man sich manchma: „Bin ich schon näher gekommen?“. Zum Frühstück gibt es, wie auch an jedem folgenden Tag, Uji. Uji ist Porridge, also ein süßer Brei aus Maismehl und Hirsemehl (je nach Region kann dies natürlich auch abweichen). Dazu nach gut dünken heißer Tee, Milch, Kakao oder Schokolade. Bis auf den Tee wie in Tansania üblich: Pulver Zubereitung.
Sozusagen als Nachspeise gab es meist Spiegelei und Würste - wohl der Anforderung echte Touristen geschuldet.
Anschließend ging es hoch hinaus, gut 800 höhen Meter sollten heute bezwungen werden. Doch der Anfang lief eher suboptimal. Schnell standen wir im Stau denn diesmal war es kein einfacher Wald Pfad dem wir folgten sondern direkt auf stein Serpentinen förmig geschwungener Weg. Meist nicht breiter als einen Meter und selten stellen zum Überholen. So kamen erstens die Porter langsamer voran und zweitens verstopften größere Gruppen die Wege. Zum Glück konnten wir dann doch recht schnell eine gut 25 Mann starke gruppe von Briten überholen und uns vor sie setzen. Nach und nach erklommen wir Höhe und ließen die Wolken hinter uns. Auf so mancher rast und kleinen Pause konnten wir schon jetzt weit hinaus ins Landesinnere blicken.
Zur Mittagspause bekamen wir morgens unsere Vesperbox mit auf den Weg. Jeden Tag gab es eine unterschiedliche kalte Mahlzeit. Angefangen bei einem kleinen Getränk über ein Sandwich, ein hart gekochtes Ei, ein kleiner Muffin, Kekse über ein schokoladen Täfelchen. Als wir schon wieder beim Aufbruch waren kamen auch die Briten an die Raststelle. Ihre Tour-Organisation hatte ihnen schon das Zelt und weitere Facilitys aufgebaut. Für wohl knapp 5000 USD gibt es täglich warmes Mittagessen und Chemie Toiletten – jeder was er braucht… .
Der zweite Tag war nur knapp 6 Stunden lang und wir erreichten schon schnell das Shira Camp. Auf einer Art Plateau liegend hat man im Rücken den Kilimanjaro und vor sich Mount Meru – der kleine Bruder sozusagen. Da wird früh angekommen sind saßen wir noch gemeinsam in unserem Gemeinschaftszelt und spielten Phase 10. Unterbrochen von immer wieder begeisternden ausblicken dem Sonnenuntergang entgegen.
Das Abendessen wird meist gegen fünf oder sechs serviert und variiert von Abend zu Abends. Besonders in der letzten Nacht vor dem Aufstieg gab es Kohlehydrat reiche Nudeln und Superghetti. Allerdings gab es auch Reis oder auch mal Kochbananen.
Tag 3 – Wo bist du?
25.06.2012 | Shira Camp 3840m - Barranco Camp 3940m
Nominell nur knappe hundert Höhenmeter standen auf dem Programm, doch dies gilt nur von Start zu Endpunkt unserer Etappe. Tatsächlich ging der heutige Tag besonders darum uns an die Höhe zu gewöhnen. Je höher man kommt, desto schwieriger gestaltet sich der Sauerstoffaustausch und es kann unter anderem zur Höhenkrankheit führen. Doch wir trotzten diesen Gefahren ohne Probleme und hatten mehr mit der Umwelt Probleme. Bereits kurz nach Beginn des Tages zog der Himmel zu und Nebel kam auf, Nebel der teils auf unter zwanzig Meter Sichtweite zu zog und uns dadurch die teils atemberaubende Sicht nahm. Unser höchster Punkt des Tages war auf knapp 4600m versteckt im undurchdringbaren Nebel. Bereits knapp zwei Stunden vor dem Hochpunkt merkten wir wie unsere Kräfte zehrten und wir den „Gipfel“ sehnsüchtig erwarteten. Bei jedem höheren Turm oder Stein der aus dem Nebel auftauchte war sofort die Aussage „Das ist er!“ im Raum – nur stets falsch. Angekommen am eigentlichen Lava-Tower wurde jedem klar, wir sind angekommen. Im noch sichtbaren Teil des Nebels türmten sich riesige ausgekühlte Lavamassen, erhoben sich empor bis sie vom Nebel verschluckt waren und nur noch durch einen Schatten im Nebel auszumachen waren.
Der darauffolgende Abstieg zum Barranco Camp ließ uns einerseits die Höhe verlassen wie auch die Nebel wand so dass wir bei bestem Wetter und bester Aussicht im Camp antrafen – zu Tee und Popcorn.
Tag 4 – Frühstückswand
26.06.2012 | Barranco Camp 3940m - Karanga Camp 3970m
Der erste Tag zum Ausschlafen war richtig gemütlich. Denn vor uns lag die sogenannte Breakfast Wall (dt. Frühstückswand). Standartweise werden Tag 4 und Tag 5 an einem Stück gemacht, doch entschieden wir uns auf eine Splittung und die entspannter Besteigung. Wir konnten also gemütlich ausschlafen und bei Sonnenaufgang hinter dem Kilimanjaro anderen Bergsteigern zuschauen wie sie sich die Wand entlang hinauf kämpften. An der Wand entlang zu gehen erfordert zwar keine großen Kenntnisse doch sicherlich etwas Mut um sich an den Steinen entlang zu ziehen, drücken oder auch hinauf zu schieben. Stets im Augenwinkel die Aussicht ins Tal – recht senkrecht hinunter.
Nach gut 100m Höhen gewinn oben angekommen, gönnten wir uns eine kleine Rast und das erste größere geknipse mit der Kamera direkt vor dem Berg. Er wirkte nun nur noch einen Steinwurf entfernt und war doch noch zwei Tage entfernt. Auf der anderen Seite ließ sich der Mount Meru wieder in seiner bracht erblicken.
Weitere drei Stunden ging es nun auf und ab über Geröllfelder ehemaliger Gletscher die sich nun zurückgezogen haben auf den Gipfel selbst. Die Schneegrenze selbst ich auch schon weit zurückgegangen so dass wir erst am Gipfelaufstieg selbst Schnee passierten.
Tag 5 – Spannung steigt
27.06.2012 | Karanga Camp 3970m - Barafu Camp 4540m
Vor der Gipfelnacht folgte noch einmal eine wirklich kurze Etappe. Allerdings überquerten wir nun wieder die 4000m-Höhenmarke. Wie bereits am Lavatower wird nun das Atmen unter Anstrengung schwerer und trinken wird wieder umso wichtiger. Die Sonne, nun nur noch seltener versteckt knallt von oben und ist auch nicht wirklich unterstützend beim Aufstieg. Der Weg schlängelte sich wie bereits am Tag zuvor über etliche Ausläufer ehemaliger Gletscher und war relativ eben. Bis zum Schluss als die letzten hundert Meter steil bergauf ging und noch einmal alles von uns verlangten.
Das letzte Camp des Aufstieges lag auf einem Rücken festen Steins und stark dem Wind ausgesetzt. Doch gleichzeitig bot sich wieder einmal ein starker Ausblick auf die Umgebung und andere Besteiger die gerade anrücken. Nun, auf vier ein halb tausend Meter Höhe ist lustiger weise auch die Erdkrümmung in all seiner Form zu sehen.
Um uns auf den Gipfel ansteigt vor zu bereiten gab es noch einmal richtig Kohlehydrat reichhaltiges essen. Zuerst nudeln zum mittagsessen und abends Spaghetti. Leider hat der koch die Kochzeiten der Pasta jeweils unterschätz, so dass die Nudeln doch sehr weich in ihrem Zustand waren.
Tag 6 – Sind wir bald da?
28.06.2012 | Barafu Camp 4540m - Uhuru Peak 5895m - Mweka Camp 2835m
0.00 Uhr oder 12.00 Uhr? 27.06. oder 28.06.? Egal, Hauptsache raus den Schlafsäcken, rein in die mit aufgewärmten Klamotten und schnell etwas Warmes trinken.
Unser Gipfelaufstieg begann somit gegen halb ein Uhr nachts bei völliger Dunkelheit. (Übrigens nicht die beste Gelegenheit mit Sonnenbrille auf zu tauchen wie ich merkte.) Wie schon viele andere vor uns und auch nach uns machten wir uns nun auf die letzte und wohl schwierigste Etappe. Innerhalb von sechs bis sieben Stunden mussten 1300m an Höhe überwunden werden und dies fast ausschließlich in steilen Bergauf pfaden. Stets vor sich und hinter sich eine lange Schlange von mitbergsteigern die ihre Stirnlampen anhatten. Unser Guide legte ein gutes Tempo vor, so dass wir bald andere Gruppen überholten und rasch an Höhe gewonnen. Doch je höher man kommt, desto kälter wird die Nacht, desto mehr rauben die Kräfte und umso mehr fragt man sich wie lang die Besteigung eigentlich noch gehen soll. Gegen sechs Uhr konnten wir nebens uns im Osten die Sonne aufgehen sehen. Klar, ohne Wolken, einfach am Horizont wurde es heller und heller.
Kurz darauf schon, aufzugeben gehörte zu den regelmäßigen Gedanken dieser Zeit, landeten wir völlig unvermittelt auf dem Stelle Point. Zusammen mit dem Uhuru Peak unserem Ziel und dem Gillmanspoint als weiteren Gipfelpunkt zählt er zum Kraterrand. Hier konnten wir nun den Glühenden ball sich hinter dem Horizont hervorschieben beobachten. Sofort, mit dem ersten Sonnenstrahl bereits, wurde es warm und man war versucht sämtliche lagen an zusätzlichen Klamotten von sich zu werfen. Doch erst einmal ging es weiter auf den wirklich höchsten Punkt Afrikas – dem Uhuru Peak. Über erst mal nun auch Schnee führte der Weg auf seine 5895m an den Gipfel wo bereits andere Gipfelstürmer sich ablichten ließen.
Mit der Sonne und der Wärme bildete nun der Schnee schnell eisige Stellen und der Abstieg rief gefühlsmäßig nach nur zwei Sekunden Gipfelfeeling. Durch die Sonne taut der Untergrund auf und man begeht den Abstieg mehr rutschend als wirklich laufen so dass bereits nach gut zwei Stunden nach dem Gipfel man bereits im Camp wieder ist. Nach einer kurzen Mittagspause und einem stärkenden Essen ging es direkt weiter mit dem Abstieg.
Durch alle Vegetationszonen hindurch ging es nun wieder auf unter dreitausend Meter.
Tag 7 – zurück im Regenwald
29.06.2012 | Mweka Camp 2835m - Park Gate Mweka 1700m
Bereits beim Aufstehen war etwas anders. In der Ferne hörte man Menschen feiern und wir saßen nur auf heißen Kohlen. Denn, die Nationalmannschaft hatte in der Nacht zuvor gegen Italien gespielt und verloren. Doch aufgrund von Funklöchern und anderweitiger Probleme wie starke Erschöpfung erreichte uns das Ergebnis erst morgens. was wir geschafft haben, auf den Gipfel zu steigen, haben unsere Vertreter bei der EM nicht geschafft. Mit entsprechend missmutiger Laune gingen wir also auf unsere letzte Etappe zum Park Eingang und zurück ins Basis Lager.
Unser Weg startete zwar auf knapp unter drei tausend Metern – in Deutschland eine höhe für längst Winter Jacke und ähnliches – in T-Shirt und leichte Hose denn noch befanden wir uns im feucht warmen Regenwald. Deutlich zu erkennen war nun auch wie kitschig ein Waldweg sein kann wenn es feucht ist und gut 500 Menschen tagtäglich darüber trampeln. Ja wirklich trampeln denn unglücklicherweise ist der Weg sehr steil und durch treppenähnliche Abstufungen ausgebaut. Hier und da allerdings ist die Stufe, gehalten von Holzpflöcken und Brettern, bereits kaputt oder einfach schon sehr überdimensioniert angelegt.
Am Parkeingang angekommen waren wie bereits erwartet auch viele Touristenfänger da die einem einfach alles andrehen wollten – zu übersteuerten preisen selbstverständlich. So wurde warmes Bier für 10 USD (8 EUR – 16 000 TSH) gekauft. Gut das doppelte des Standard Preises. Wir verzichteten dankend und feierten ein wenig später mit unseren Trägern und Guides im Basis Lager.
Nach Übergabe des Trinkgeldes (was für Tansanier eigentlich so was von unüblich ist) präsentierten sie uns noch den klassischen Touristen Song und wir tanzten ein wenig dazu…
geschrieben am Freitag, den 27. Juli 2012 um 02:00 Uhr von Tobias Ruby