der Blog für Tansania - 13 Monate Songwe | … (da fehlen mir die Worte)

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… (da fehlen mir die Worte)

Dieses Wochenende war wesentlich anders als sonst. Eigentlich berichte ich jetzt über zwei verschiedene Dinge, doch gehört beides zu Tansania und daher meiner Meinung nach auch ein einen Blogeintrag.

Das Wochenende ging eigentlich bereits am Freitag los. Ausnahmsweise gab es einmal keinen Strom in der Schule und somit fiel die Lehrstunde für die Lehrer aus. Zurzeit begleitet uns eine Doktorandin aus Deutschland und so haben wir gemütlich ein paar Dinge erledigt.

Eigentlich war von Father Sanga, unser aller Ansprechpartner und Verantwortlicher in der Diözese in Mbeya, angedacht, dass sie freitags wieder nach Mbeya zurückkehrt. Doch stattdessen erhielten wir eine Nachricht die besagte besser nicht nach Mbeya zu fahren, es sei zu gefährlich - „Bombs in Mbeya“.

Was anscheinend nur wir Freiwilligen nicht mitbekommen haben war, dass sich seit geraumer Zeit die Duka-Besitzer und Betreiber gegen die kleinen Straßenverkäufer bei der lokalen Regierung beschweren. Während die offiziellen Verkäufer teure Lizenzen erwerben müssen und dadurch natürlich höhere Gewinne von Nöten sind, zahlen die kleinen Verkäufer am Straßenrand keinerlei Steuern oder erwerben keine Lizenzen. Nach langem Druck versuchte die Polizei in Dar bereits mit Gewalt die Straßenverkäufer zu vertreiben – ohne sichtbaren Erfolg. Nun kam es also auch zu einem Polizeieinsatz in Mbeya zu dem auch Verstärkung aus Sumbawanga und Iringa angefordert wurde. Das ganze weitete sich zu einem Straßenkampf aus bei dem Autoreifen brannten, Straßensperren errichtet, Tränengaspatronen abgeschossen und Warnschüsse abgegeben wurden. Am nächsten Tag wurden dann Straßenbarrieren durch die Polizei errichtet. Gegen Mittag wurden diese dann aufgelöst so dass normaler Verkehr wieder möglich war. Auf unserer Fahrt zu Father Sanga im Coaster hatten wir freie Sitzplatzwahl und konnten ohne Stau nahezu ungestört bis nach Mbeya durchfahren. Es wirkte durchaus etwas gespenstisch auf dem sonst so überfüllten Highway. In Mbeya selbst war es wie immer ruhig und vollkommen friedlich. Allein in der Nähe der Ausschreitungen, am Markt von Mwanjelwa, wurde es noch ruhiger – geschlossene Duken und nicht verkehrende Dallas.

Sonntags war eigentlich eine Fahrt nach Tukuyu und einigen touristischen Attraktionen geplant. Unser Weg dorthin führt uns jedoch mitten durch den Markt. Kaniki, unser Schulpriester und Freundlichkeit in Person, hatte inzwischen jedoch neueste Informationen und so konnten wir völlig unbehelligt wie inzwischen auch jeder andere, wieder die Gegen passieren. Selbst der Markt – mit Straßenverkäufer – ging seinen gewohnten Gang nach. Die Polizei fährt zwar noch ab und zu Patrouille doch wird es wohl einen temporären „Schlichterspruch“ zugunsten der Straßenverkäufer geben.

Von Mbeya ging es über die Bergkette in Richtung Kyela an der Grenze nach Malawi. Je höher wie die Berge erklommen desto feuchter, grüner und fruchtbarer wurde das Land. So sahen wir Bananen-, Tee-, Kaffee- oder auch Maisplantagen. Ab und zu regnete es auch, da wir inzwischen schon nahezu auf Höhe der Wolken waren. Von Oben hatten wir immer mal wieder einen Blick über unser Tal oder auf das Gebiet vor uns. Nach gut einer Stunde verließen wir den Highway auf eine Dirtroad. Jedenfalls bis wir vor einer Baustelle standen deren Ankündigung irgendwie jeder übersehen hatte. Nachdem sich Kaniki erkundigt hatte ob es irgendwie möglich ist einfach um den kleinen Erdhügel herum zu fahren mussten wir leider umkehren. Doch zum Glück konnten wir eine Parallelstraße nutzen die uns um die Baustelle herum führte. Nun waren wir wirklich Offroad angekommen.

Nach fünf Minuten Wanderung erreichten wir unser erstes Ziel, die Wasserfälle von Kaparogwe. Unter einem Felsüberhang hat man eine phänomenale Aussicht auf das Tal vor einem. Jetzt in der Zeit vor den starken Regenfällen gibt es zwar nur einen kleineren Wasserfall, während der Regenzeit schießt hier das Wasser über nahezu die gesamte Breite über den Vorsprung.

Unsere nächste Station war „Daraja la Mungu“ (Gottesbrücke) gefolgt von „Kijungu“ (Kochtopf).

Der gleiche Fluss der später die Wasserfälle hinunterstürzt passiert vorher den Kochtopf. Hier stürzt das Wasser mit Getöse in eine Kochtopfähnliche Felsformation. Wenig später fließt der Fluss unter einer Felsformation aus wahrscheinlich Vulkangestein hindurch.

Unser Heimweg führte uns gewollt parallel entlang des Highways und ermöglichte uns, wenn auch immer nur flüchtig, einen Blick auf das Leben abseits der Straße. Erstmals traf ich hier auch auf Menschen die nicht den stetig gut gelaunten Ausdruck auf ihren Gesichtern haben wie in Songwe. Er war eher grimmig und etwas skeptisch – nicht nur bei den Alten.
Wobei ich die Menschen natürlich nicht persönlich kenne!

Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen unserer Lehrer aufgegabelt, so dass wir mit unzähligen Bananen (wesentlich günstiger als in Mbeya) und Kartoffeln eine lustige Rückfahrt hatten. Durch Mwanjelwa konnten wir wieder ohne Probleme durchfahren.

Übrigens: Die Eskalation der Gewalt in Mbeya ist für alle Einwohner hier einmalig und wird mit Sorge betrachtet. Für uns in Songwe bestand zu keiner Zeit irgendeine Gefahr! Allein Mwanjelwa, ein kleiner Bereich Mbeyas, war für kurze Zeit eine No-go-Area und ist nun wieder sicher.

geschrieben am Montag, den 14. Nevember 2011 um 14:00 Uhr von Tobias Ruby