der Blog für Tansania - 13 Monate Songwe | "Bummelbahn mit 70km/h" oder "Dar - Songwe"

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"Bummelbahn mit 70km/h" oder "Dar - Songwe"

Bereits auf dem Vorbereitungsseminar machte die Idee die Runde, dass die Songweaner (also Michi, unsere Vorgänger Tristan und Yannik sowie ich) von Dar nach Mbeya mit dem Zug fahren und schließlich mit dem Coaster nach Songwe.

Der Zug verkehrt viermal die Woche auf dem TanZam-Railway und bedient dabei einige, auch kleinere, Stationen. Gebaut von den Chinesen um in Sambia Mineralien abzubauen, verkehrt nun der Personenzug auf den teils doch sehr unebenen und nicht wirklich parallel verlaufenden Gleisen.
Erst montags konnten wir sicher Tickets kaufen, da es nicht sicher war ob dienstags genug Waggons angehängt werden. Uns wurde dabei versichert dass pünktlich um 15:30 Uhr die Fahrt beginnt.

Dienstags haben wir mittags noch Joschka (Iringa 2009/10) und Rose getroffen. Nach einem gemütlichen Bier auf dem Dach des Holiday Hotels ging es kurz nach 15 Uhr mit dem bestellten Taxi los. Bereits jetzt war eigentlich klar dass die 20min nicht reichen werden. Aber wie es kommen musste und es auch für gewöhnlich ist, sind die Straßen Dars überlastet von Dallas, Autos, LKWs, usw., was unserer ohnehin sehr knappen Zeitrechnung nicht erträglich war. Unsere voraussichtliche Ankunft wäre erst frühestens viertel vor vier gewesen. Tristan stand mit Calli (Mbalisi 2010/2011) der auch mit dem Zug fuhr in Kontakt und teilte dem Schaffner so mit, dass noch 30 Mzungi kommen, welche aber im Stau stecken. An der letzten Kreuzung staute es sich noch einmal, so dass unser Taxifahrer einfach (was aber doch ziemlich üblich ist) den Weg als Spur nahm und am Stau vorbei fuhr. Die letzten 500m rannten wir mit unserem Gepäck, Michi und ich unsere 23kg auf dem Rücken und 10kg in den Händen, zum Zug wo wir bereits mit vereinzelten "Twende"-Rufen ("Auf geht‘s!") empfangen wurden. Unseren Waggon gefunden mussten wir erst zwei deutsche vertreiben die sich in unserem Abteil breit gemacht hatte bevor wir uns erschöpft und verschwitzt niederlassen konnten.

Letzten Endes ging es aber erst gegen 17 Uhr los, da nicht alle Güter eingeladen waren und die Lok noch gar nicht vorne angeschlossen war.

Mit 40km/h ging es dann raus aus Dar. Vorbei an grünem Gelände und viele Kindern und Häusern. Die Strecke ist, wie schon erwähnt nicht sehr eben. Dabei ruckelt und wackelt es horizontal wie vertikal nicht gerade wenig. Besonders beim Essen und Trinken ergeben sich hier gewisse Probleme. Auch das Klo ist nur ganz am Anfang zu benutzen, da später niemand mehr trifft. Die Strecke führt sogar teilweise durch einen National Park, wobei wir diesen Teil der Strecke nachts passierten. Ist die Strecke mal abschüssig beschleunigt der Zug auch gerne einmal auf über 60km/h oder 70km/h. Geht es hingegen bergauf wäre Laufen manchmal durchaus schneller.

Zum Abendessen gab es Reis mit Hühnchen und etwas Grünzeug, was auch echt geschmeckt hat und sehr warm war. Da uns eine Karte unseres Doppelkopfdecks in der Nacht zuvor verloren ging, und sie trotz intensivem Suchen in unserem Gepäck nicht auffindbar war, stiegen wir auf Wizard um, in der Nacht ging dann sogar eine spärliche Deckenbeleuchtung an.

Geschlafen haben wir in Kojen mit Decken und Pulli da es bei Dunkelheit und Fahrt sehr kalt wird. Mit Kopfhörern sind sogar die relativ lauten Geräusche des Zuges überschaubar. Morgens habe ich dann sogar fast das Frühstück verpasst, trotz Fenster öffnen und Türe öffnen (beides extrem Laut) habe ich weiter geschlafen. Nach zwei Buttersandwichs, zwei rosa Würsten und einem Spiegelei fing der Morgen doch ganz gut an. Jedenfalls für die, die kein Suaheli sprechen. Unser Kaka („Bruder“, bringt Essen, Trinken und Neuigkeiten) erzählte von einem Unfall auf unserer Strecke mit einer Kuh, woraufhin unser Zug nicht bis Mbeya ganz durch fährt. Morgens hielt er dann circa drei Stunden in Makambatu wobei uns immer versichert wurde es wird weiter gehen. Mit einiger Verzögerung ging es dann weiter bis Inyala.

In Inyala war dann wirklich Schluss. Eigentlich wäre es nur noch eine halbe Stunde Zugfahrt gewesen aber nichts ging mehr. Nach einigen erfolglosen Versuchen unserer Vorgänger Bekannte in Inyala und Mbeya als Taxi zu mobilisieren, konnten wir glücklicherweise nach gut einer dreiviertel Stunde auf dem Pick-up der Calli abholte mitfahren. Auf der Ladefläche ging es dann Berg auf Berg ab eine gute Stunde zuerst nach Mbalisi zu den IB-Freiwilligen. Dort wechselten dann die Vorgänger in den Pick-up, während Michi und ich es uns für die restliche viertel Stunde auf der Ladefläche noch einmal bequem machten.

geschrieben am Donnerstag, den 04. August 2011 um 13:00 Uhr von Tobias Ruby